Das Kona-Tagebuch, Kapitel 4: 1258 km von Norddänemark nach Regensburg

Veröffentlicht von umrath am

14. Dezember, 8:00 Uhr in Hirtshals, ganz im Norden von Dänemark: Die Bergensfjord hat angelegt und Hunderte Menschen und Autos strömen von der Fähre.
Ich bin mit meinem Kona fast der letzte, der um 8:13 die LNG-Fähre verlässt und auf die E39 Richtung Süden einbiegt.

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Der Akku ist mit irgendwas um die 80 % gut gefüllt. Die Straßen sind zwar voll (klar, es ist ja eine gesamte Fähre vor mir unterwegs und es gibt praktisch nur diese eine Straße) – aber es rollt. Kein Stau und die Leute sind in Dänemark noch einigermaßen entspannt. Die Psychopathen, die mit >200 km/h bei Regen über volle Autobahnen prügeln müssen, kommen erst ein paar Hundert Kilometer weiter im Süden.

Die Ladesäulen von Ionity in Aabenraa sind mein erstes Ziel.
Mit 318 km Entfernung ist das aber zu weit, um entspannt und ohne Zwischenstopp fahren zu können.
Also steht erstmal der Rasteplads Gudenå Øst bei Randers auf dem Plan. Das sind nur gut 150 km und damit völlig problemlos machbar, selbst bei Gegenwind, nasser Fahrbahn und Regen.
Und genau dieses Wetter haben wir gerade.

Es geht trotzdem zügig voran und eine gute Stunde später, um 9:30 bin ich bereits beim nachladen. Sportliche 23,1 kWh/100 km sind durch den Motor geflossen und ich bin mit 26 % Restladung angekommen. Gegenwind und Regen fordern ihren Tribut.

Und eine Ladung an einem regulären Triple-Charger mit nominell 50 kW (effektiv ca. 45 kW) zieht sich.
Es sind 185 km nach Aabrenraa. Dort gibt es mehr Elektronen.
Ich lade bis ca. 70 % und mache mich um 10:11 Uhr wieder auf den Weg.

Es wird immer regnerischer und so bleibt der Verbrauch hoch. Mit 8 % komme ich gegen 11:50 Uhr in Aabenraa an.
Alles vollkommen im Plan.
Und hier fließen sofort 70 kW und mehr durch die Leitungen. Das macht den Stopp deutlich kürzer und durchaus Spass.

Ionity Aabenraa

Leider liegt die Autobahn zwischen Ionity und den Tesla SuperChargern, an dem Georg sein Model X lädt. So können wir uns nicht mal eben auf einen Kaffee treffen. Schade.

Für den Rückweg steht, wie auch auf der Hinfahrt, die A7 auf dem Plan. Dort gibt es mehr „HPC“ (High Performance Charger), die ordentliche Leistungen bieten und für kürzere Pausen sorgen.

Nach 40 Minuten ist der Akku zu 71 % voll und die Ladeleistung fällt. Es geht also wieder auf die E45 und weiter in Richtung der deutschen Grenze.

Das Wetter bleibt bescheiden. Nein, teilweise schifft es wie irre. Die Scheibenwischer laufen auf Hochtouren.
Da wir inzwischen im Land der Geschwindigkeitesfanatiker sind, hält das trotzdem so etlich nicht davon ab, mit 200 km/h und mehr durch die Gegend zu schießen.

Hasselhöhe West/Seevetal südlich von Hamburg in 218 km Entfernung ist der nächste geplante Stopp, den ich um 14:50 Uhr planmäßig mit 11 % Restladung erreiche.
Leider sind hier ebenfalls nur 50 kW verfügbar. Ein richtig schneller Stopp ist damit nicht möglich.

Das Model X hat inzwischen in Hamburg gestoppt, einen Mitfahrer abgeladen und ist in Bispingen am SuperCharger angekommen.

Ich gehe in die Raststätte, hole mir einen Cappuccino und stelle fest, dass die Ladung bei 14 % abgebrochen ist.
Hyundai selbst ermöglicht mir das leider nicht, so dass ich nur mit Hilfe von EVNotify diese Information erhalte.
Ein klares Manko des Kona, denn ohne diese Information wäre ich jetzt ziemlich aufgeschmissen. Glück gehabt!
Die Ladesäule ist vom Hersteller ABB, bei denen ich öfter mal (auch mit dem IONIQ) derartige Probleme habe.

Ich renne fix zum Auto zurück und starte die Ladung neu.
Jetzt läuft alles wie am Schnürchen, auch wenn die langsame Ladesäule meine Standzeit in die Länge zieht.

Stau in Hildesheim.

Damit fällt mein Plan, die A7 zu nutzen, in sich zusammen, denn die Strecke ist ohnehin deutlich langsamer als die Ostroute über Leipzig. Mit dem Stau geht nun der Vorteil der schnelleren Ladesäulen verloren.
Ich plane fix um und werde nun also doch über die A2 und die A14 fahren. Die Strecke kenne ich ab Magdeburg sehr gut.
Ein Vorteil.
Der nächste Stopp wird somit Hohenwarsleben – wieder Ionity. Und direkt nebenan stehen SuperCharger.
Ein kurzer Treff mit Georg und dem Model X wäre damit möglich.

236 km. Ein ziemliches Stück – und das Wetter ist weiter von der widerlichen Art. Immerhin regnet es jetzt nicht mehr gar so übel.

Kurz vor 16 Uhr geht es weiter, also nach fast einer Stunde Ladestopp.

Ich fahre nur rund 120 km/h, damit ich die Strecke auch sicher schaffe. Aber weite Teile sind hier ohnehin beschränkt. Viel schneller geht es also ohnehin nicht.

Es wird dunkel und der Verkehr ist recht dicht. Der Stau bei Hildesheim kommt nicht von ungefähr. Es ist immerhin Freitagnachmittag und viele Wochenendpendler sind jetzt auf dem Heimweg.

Um 18:12 Uhr erreiche ich mit 2 % Restladung die neuen Ionity-Ladesäulen in Hohenwarsleben. Das klingt eng, war aber sehr kontrolliert, denn ich kenne die Gegend gut – und meinen Kona inzwischen auch.

Ionity Hohnewarsleben

Und jetzt beginnt der Tanz um die Ladesäulen.
Ich habe zufällig eine von den vier freien Ladesäulen (alle frei) angefahren und bekomme eher magere 60 kW Ladeleistung.
Das ist mir zu wenig.
Also Wechsel zur nächsten – und ich erlebe einen sofortigen Ladeabbruch.
Noch ein Wechsel der Ladesäule und es ergibt sich das gleiche Bild: sofortiger Ladeabbruch.

Na ganz toll!

Letzter Versuch an der Säule ganz links. Ich stelle mich etwas schräg, weil die Ladesäule für einen Nasenlader suboptimal an der Seite platziert ist.

Und hier sprudeln die erwarteten >70 kW.

Na also, warum nicht gleich so? Das Spass hat mich 10 Minuten Zeit gekostet. Schade drum.
Ionity, hier gibt es noch viel zu tun!

Georg fährt weiter. Das Model X war längst randvoll, als ich angekommen bin. Klar, das Model X verbraucht locker 20-25 % mehr als der Kona – aber lädt in der Spitze fast doppelt so schnell (118 kW).
Er wird am Ende rund eine Stunde vor mir sein Ziel in München erreichen.

Kurz darauf kommt ein IONIQ und lädt an der langsamer ladenden Säule. Der Fahrer ist aber zufrieden, da es für ihn nicht so viel weniger ist.
Erstmal Kaffee wegbringen und wieder nachfüllen.

Das nächste Ziel ist Osterfeld West. Eine altbekannte Säule von E.ON.
Es ist 19:05 Uhr und ich bin wieder auf der Piste. Der Kona, noch immer von den niedrigen Verbräuchen in Norwegen verwöhnt, verspricht mehr als 230 km Reichweite. Bis Osterfeld West sind es nur 162 km – aber es ist kalt und das Wetter ist nach wie vor nicht toll. Der kräftige Wind aus Südwesten tut sein übriges.

Ich fahre zügig (Tacho 130 km/h) und verbrauche entsprechend viel Strom.
Satte 24,4 kWh/100 km genehmigt sich Pummel. Das Model X liegt auf der gleichen Strecke bei knapp 30 kWh/100 km – bei gleicher Fahrgeschwindigkeit.
Mit 30 km Restreichweite (knapp 10 % Ladestand) komme ich um 20:26 Uhr endlich an – und die Ladesäule lässt sich nicht freischalten.
Es ist wieder das übliche Leid an den E.ON-Ladesäulen.
Die Ladesäule verweist darauf, bitte die App zu nutzen und reagiert weder auf Tasten noch auf RFID-Karten.
Die App wiederum behauptet, dass die Ladesäule kostenlos wäre und man doch bitte einfach Laden solle. Danke, sehr hilfreich!

E.ON ist das Problem seit Monaten bekannt. Es ist geradezu peinlich, dass sie das noch immer nicht unter Kontrolle haben.

Mir bleibt also nur noch die Hotline. Die ist für gewöhnlich von wechselhafter Qualität.
Die Minuten vergehen.
Endlich habe ich einen Hotlinemitarbeiter an der Strippe und der schaltet mir die Ladesäule frei.
Wieder Glück gehabt. Hier habe ich auch schon anderes erlebt.

Ein weiteres Mal sind auf Grund der schlechten Infrastruktur ein paar Minuten Zeit sinnlos verloren gegangen.

Ich lade jetzt mit den üblichen 45 kW am Triple-Charger.

Um Zeit zu sparen, geht es um 21:19 Uhr mit einem Ladestand von 60 % weiter. Das sollte bis nach Himmelkron reichen.
Dort steht eine Batterie Ionity-Lader und mit denen kann ich schneller laden.

Draußen ist es nun wirklich stockfinster und die Autobahn ist deutlich leerer.
Es wird immer kälter. Inzwischen sind es -4 Grad und der Wind lässt nicht nach. Im Auto hingegen ist es kuschelig warm. Die Wärmepumpe funktioniert hervorragend. Sitz- und Lenkradheizung machen es so richtig kuschelig.
Und die Kilometer purzeln. Die Reichweite auch, denn es geht jetzt auch spürbar bergauf nach Oberfranken.

22:30 Uhr und ich erreiche Himmelkron mit 6,5 % Ladestand. Weiter voll im Plan.
Ich bin bei Ionity, also folgt jetzt ein weiteres Mal der Tanz um die Ladesäulen.
Der erste zeigt wieder den Fehler mit dem sofortigen Abbruch. Diesmal habe ich aber bereits bei der zweiten Säule Glück. Da insgesamt aber nur drei Säulen in Betrieb sind, ist das auch ganz gut so.

Nach Regensburg sind es nur noch 175 km. Das sollte selbst bei dem miesen Wetter und den Temperaturen reichen.

So geht es um 23:11 Uhr mit 73 % Ladestand auf die letzte Etappe.

Bei frostigen Temperaturen und Wind bleibt der Verbrauch mit 22 kWh/100 km recht hoch.

Inzwischen bin ich fast allein auf der A9. Jetzt rollt es sehr entspannt.

Verlauf

Angekommen!
Im Akku sind noch 8 % Ladung übrig.
Nach exakt 16 Stunden und 33 Minuten und 1258 gefahrenen Kilometern erreiche ich um 0:46 Uhr mein Ziel in Regensburg.
Das entspricht einer effektiven Reisegeschwindigkeit von 76 km/h.
Gar nicht so übel, insbesondere bei den Verhältnissen.
Mit einer besseren Infrastruktur könnte ich hier noch locker eine Stunde Zeit einsparen und damit auf über 80 km/h kommen. Im Sommer dürfte wohl noch mehr möglich sein.
Nominell könnte man die Strecke in etwa 12 Stunden und 30 Minuten fahren. Wer das aber ohne Pausen tut, sollte keinen Führerschein besitzen. Realistisch sind also auch in einem Verbrenner auf dieser Strecke 14-15 Stunden fällig.

Fazit: Spätestens mit dem Kona sind elektrische Langstreckenfahrten auch ohne Tesla möglich.
Die Achillesferse bleibt die Ladeinfrastruktur, die nach wie vor nicht die Stabilität aufweist, die man sich eigentlich wünschen würde.
Absoluter Maßstab ist hier Tesla. Beim Model X gab es bei keinem SuC erwähnenstwerte Zwischen- oder Ausfälle. Einstecken und fertig – so muss das sein!

Während der Kona über Nacht lädt, hopse ich ins Bett – ohne Rückenschmerzen, denn die Sitze im Kona sind absolute Spitzenklasse.

Gute Nacht!

Nachtrag, weil das völlig aus meiner Wahrnehmung entschwunden ist – Stromkosten für diese Fahrt über die bereits bezahlten Flatratekosten (40 €/Monat) hinaus: 0 €


2 Kommentare

keksznet · 8. Januar 2019 um 13:30

moin Kollege,
neben die Entega Flatrate (25€ als Kd.) was hast Du noch an Flatrate Kosten und wo?
Danke!

    umrath · 8. Januar 2019 um 15:32

    Die Entega-Flat habe ich nicht mehr. Die gibt es auch nicht mehr.

    Aktuelle habe ich EWE (für fast alles, 15 €) und die EWR-Flatrate (Innogy, 25 € – fliegt im Sommer raus).

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