Das Kona-Tagebuch, Kapitel 3: Vier Tage in Norwegen

Veröffentlicht von umrath am

Montagmittag, Bergen, 12:30 Uhr: Die Fähre „Stavangerfjord“ ist im Hafen eingelaufen und ich fahre meinen Kona in Richtung Grenzkontrolle.

Der Kontrolleur sieht meine pinken Haare und winkt mich raus (ok, zumindest bilde ich mir das ein): „Was wollen Sie in Norwegen?“
„Die Landschaft genießen,“ – ich deute auf die Berge, die sich malerisch vor uns aufbauen – „den Opa meines Sohnes besuchen und Freunde treffen.“

Ich darf passieren und befinde mich im gelobten Land der Elektromobilität.
Im Jahr 2018 waren fast ein Drittel aller in Norwegen verkauften Autos rein elektrisch. Das liegt um Faktor 10 oder 20 über den deutschen Werten.

Und das merkt man.
An jeder Ecke schwirren einem Teslas, i3s, Leafs, eGolfs und Zoes um die Ohren. Die Ladesäulen sind gut besucht und reichlich vorhanden.

Bergen begrüßt mich mit traumhaft schönem Wetter. Es ist sonnig und das wird die nächsten Tage so bleiben.

Zuerst geht es Mittagessen. Ich fahre in den Westen der Stadt in ein mir bekanntes Einkaufszentrum. Laden muss ich nicht, der Akku ist noch gut gefüllt.
Wie angekündigt, besuche ich die Familie und checke etwas später bei meiner Gastgeberin ein – Airbnb sei dank zu bezahlbaren Preisen.

Das Auto darf ein bisschen im Parkhaus am Strom nippen (viel fehlt ja noch nicht) und bleibt dann die nächsten zwei Nächte dort stehen. Für Elektroautos gibt es dort Sondertarife, so dass ich für 2 Tage parken 150 NOK (15 Euro) bezahle. Mit einem Verbrenner wäre es doppelt so viel gewesen.
An den 54 Ladesäulen liegen die Ladekosten mit 24 NOK pro Stunde (2,40 €) – nachts die Hälfte – im fairen Bereich, selbst für einphasig ladende Fahrzeuge. Durch die Modulierung anhand der Last laden auch dreiphasig ladende Fahrzeuge wie Teslas oder Zoes meist mit nicht mehr als 7 kW.
Das ergibt einen Preis von 17-34 Cent/kWh.

Lasagne

Ich tingel ein wenig über den Julemarked (Weihnachtsmarkt) und lasse den Tag im Kafe spesial (dicke Empfehlung!) sehr lecker, gemütlich und verhältnismäßig günstig ausklingen.

Am nächsten Tag treffe ich zwei Freunde, die mit einem Tesla Model X über Oslo und Molde eine etwas abenteuerliche Schneegestöberstrecke hinter sich haben.
Wir nehmen die Fløibanen auf den Berg „Fløyen“ mitten in der Stadt und genießen die atemberaubend schöne Aussicht über Stadt und Umland.

Bergen Panorama

Natürlich darf ein Besuch der Residenz von Edvard Grieg nicht fehlen.

Und ohne einen Besuch der Stabkirche Fantoft ist ein Besuch in Bergen natürlich ebenfalls nicht komplett.


Das Kafe spesial wird auch diesen Abend den Ausklang bilden.

Am nächsten Morgen geht es auf in Richtung Stavanger. 210 km quer durch die süd-westliche Fjordlandschaft Norwegens erwarten uns.
Wir fahren über unzählige Brücken und durch ebenso viele Tunnel, haben atemberaubend schöne Ausblicke auf die Landschaft und machen zweimal Stopp auf Fähren, ohne die aus den knapp 5 Stunden Fahrt ansonsten 440 km und acht Stunden Fahrzeit werden würden.

Auch hier begegnen uns immer wieder die unterschiedlichsten Elektroautos. Selbst die winzigen Buddys und die alten Think sind noch zu sehen – allerdings nur in den Städten.

In Stavanger angekommen, laden wir erstmal unsere Fahrzeuge mitten in der Stadt am Bahnhof an einem der sieben Schnelllader auf.
Kostenpunkt: 2,50 NOK/Minute (25 Cent). Bei effektiv 45 kW Ladeleistung sind das also rund 33 Cent/kWh – nicht billig aber fair.

Den Tag verbringen wir mit einem Bummel durch die Stadt.
Am nächsten Tag geht es ins Norsk Oljemuseum.
Wir erleben eine sehr interessante Ausstellung mit einer durchaus selbstkritischen Beschreibung der gesamten Geschichte der Ölförderung Norwegens. Sehr sehenswert!

Bevor wir den Tag auf der Fähre nach Hirtshals/ Dänemark ausklingen lassen, geht es noch zum Mahnmal „Broken Chain“, das an die Alexander Kielland-Katastrophe erinnert, bei der 123 Arbeiter der Bohrinsel ums Leben kamen.

Broken Chain

Auf dem Weg zur Fähre stoppen wir noch am Supermarkt und decken uns mit Leckereien für die Rückfahrt ein.
Persönliche Empfehlungen: Kvikk Lunsj (wie KitKat, nur besser!), Bamsemums (Marshmallows von Schokolade umhüllt) und Freia Melkesjokolade

Um 20 Uhr sind wir auf der Fähre und verlassen das schöne Norwegen.

Die Rückfahrt von Hirtshals nach Regensburg folgt dann in Kapitel 4 …


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