Das Kona Tagebuch, Kapitel 2: Einmal nach Norwegen

Veröffentlicht von umrath am

Pummel, so habe ich meinen kleinen dicken Kona genannt, hat jetzt seit zwei Wochen ein Regensburger Kennzeichen und ist auf mich zugelassen. Zeit, mal zu testen, was der Kleine wirklich kann!

Eigentlich war der Start schon zwei Tage früher geplant. Aber ich hatte Junior noch einen Konzertbesuch versprochen – sein erstes – und das hat Vorrang.
Also geht es am Abend des 7.12. von Regensburg nach München ins Zenith.


Dimmu Borgir stehen auf dem Spielplan und der Zwerg freut sich besonders auf „Progenies of the great apocalypse“. Dramaturgisch kaum besser, ist das der Abschlusssong – und MiniMe ist glücklich.


Wir hopsen wieder ins Auto. Das inzwischen sehr müde Menschlein schnallt sich an und kuschelt sich in die Decken. In wenigen Minuten wird er eingeschlafen sein.
Derweil düse ich über A9 und A93 wieder die knapp 120 km zurück nach Regensburg. Problemlos und ohne Zwischenladung. Der Akku des Kona hat reichlich Reserven.
In Regensburg liefere ich die Schlafmaus bei seiner Mama ab, verabschiede mich für die nächste Woche – und fahre nach Hause.
Ich habe Glück und die Ladesäule am Arnulfsplatz ist komplett frei.
Ranfahren, freischalten, anschließen – fertig!

Während der Kona draußen gemütlich Elektronen zählt, liege ich im Bett und träume von den norwegischen Fjorden. Ok, das ist übertrieben. In Wahrheit habe ich keine Ahnung, wovon ich geträumt habe. Aber ich habe gut geschlafen und bin am nächsten Tag fit und bereit für die nun folgende, 1277 km lange Tour.

Warum nur 1277 km? Bis Norwegen ist es doch mehr!

Die Antwort ist einfach: Ich habe nur wenig Zeit (ich will am Freitag wieder in Regensburg sein) und möchte mich am Montag in Bergen mit Freunden treffen. Das klappt nicht ohne größere Schmerzen, wenn ich den gesamten Weg zu Land zurücklege.

Also sieht der Plan von Hirtshals (ganz im Norden von Dänemark) eine Fähre direkt nach Bergen vor. Die „Stavangerfjord“ von Fjordline fährt mit LNG und nicht mit Schweröl. Das kann ich mit meinem Gewissen vereinbaren.

Aber noch bin ich in Regensburg.
Die Fähre soll abends um 20 Uhr ablegen. Aber erst am Sonntag. 20 Uhr am Samstag wäre nicht erreichbar gewesen, wenn ich vorher noch einigermaßen vernünftig schlafen will. Bereits die pure Fahrzeit nach Norden knackt locker die 12 Stunden. Und ein paar Pausen müssen dann auch noch dazu kommen.
Also habe ich reichlich Zeit.

Das Gepäck verschwindet im Kofferraum. Das Ladekabel landet obendrauf. In der Mittelkonsole steht mein Kaffee.
Inzwischen ist es auch schon 11 Uhr und ich bin endlich abreisefertig!

Die Tour habe ich – entgegen meiner üblicher Art lange Strecken zu fahren – nicht durchgeplant.
Meine einzige Vorbereitung bestand darin, mich mit Ladekarten und Apps für Skandinavien einzudecken, damit ich nirgends irgendwelche Probleme bekommen. Die Strecke selbst und die Stopps habe ich nur in so weit geplant, dass ich zur Abwechslung mal die A7 fahren will und in Aabenraa bei Ionity laden möchte. Der Rest ist flexibel und wird unterwegs entschieden.

Also ab auf die A3 in Richtung Nürnberg.

Das Wetter schwankt zwischen „geht so“ und „hmpf“. Im Wetterbericht nennt man so was wohl „durchwachsen“. Die Temperaturen bewegen sich im einstelligen Bereich und irgendwann meldet sich auch die Frostwarnung und mahnt zur Vorsicht.

Die Kilometer fliegen dahin, Nürnberg liegt inzwischen hinter mir und ich denke mir „mit dem IONIQ müsste ich jetzt dringend nach einer Ladesäule suchen“.

Der Kona kann noch.

Trotzdem halte ich in Geiselwind, also nach knapp 170 km zum ersten Mal an. Ich will die E.ON Schnellladesäule testen, obwohl noch 42 % im Akku sind. Ladenot und Reichweitenangst sehen anders aus. Die Ladesäule ist im Moment noch kostenlos. Das ist vermutlich auch der Grund, warum sie überhaupt funktioniert. Normalerweise zeichnen sich E.ON-Ladesäulen vor allem dadurch aus, dass sie eben nicht funktionieren. Zumindest oft dann nicht, wenn die Zahlungsfunktion aktiviert ist. Bzw. nicht. Denn funktionieren tut sie ja in aller Regel nicht.
In Geiselwind sind die Ladesäulen noch kostenlos und daher funktioniert es hier auch auf Anhieb.
Und so sehe ich für einen ganz kurzen Moment zum ersten Mal 74 kW Ladeleistung.
Hinterher sollte mir klar werden, warum ich jedoch die meiste Zeit nur bei rund 55 kW hängen geblieben bin: Der Akku war noch zu kalt.

Und weil das thematisch gut passt, hier ein kurzer Einschub: Der Kona – im Gegensatz zum IONIQ – ist etwas empfindlicher, was die Akkutemperatur angeht. Während es dem IONIQ völlig egal war, ob der Akku nun 20, 0 oder -3 Grad hat, ist der Kona etwas pingeliger und lädt bei niedrigeren Temperaturen nicht mit voller Kraft.

Der Akku war nach gut einer Viertelstunde aber wieder weit genug gefüllt und ich bin wieder los, weiter in Richtung Norden.

Die Wartezeit habe ich genutzt, um meinen nächsten Ladestopp zu suchen: Eichenzell bzw. genauer gesagt der Ionity-Schnelllader dort. Meine E.ON-Ladekarte sollte hier funktionieren.
Die Fahrt dorthin war recht problemlos.


Mit 11 % (ich hatte in Geiselwind ja nicht so furchtbar viel geladen) kam ich dort an.
Die Ladung startet gleich aus dem Stand mit 70 kW. Na, geht doch!
In der Spitze gab es auch hier 74 kW und bei 70 % war der schnelle Spass dann vorbei und es ging runter auf 37 kW.
Also fix abstöpseln und weiter.

Meine Kaffeevorräte neigen sich ihrem Ende zu, so dass am nächsten Stopp externe Quellen angezapft werden müssen.

Inzwischen trat so etwas wie Routine ein und ich gekam immer mehr Gefühl für Pummel.
Der nächste Stopp sollte eigentlich der Lohfeldener Rüssel werden. Aber ich war zu dusselig, die Straßenführung zu verstehen und bin dran vorbei gefahren.
Egal, bevor ich jetzt wie blöd rumsuche, fahre ich halt einfach weiter und lade in Göttingen.

Der Lader hier war fix gefunden, war frei und funktionierte problemlos. Wunderbar.

Aber mein eigentliches Ziel war der Fastned in Hildesheim. Also fix weiter und ran an den Lader!


Auch das funktionierte erwartungsgemäß ohne Probleme. Und war auch noch kostenlos.
Und hier sollte sich zeigen, dass mit warmem Akku auch mehr geht. Der Kona zog bis 74 % durch, bevor es wieder in Richtung 35 kW absackte. immerhin satte 4 % mehr als zuvor.
Derweil hocke mich in das Café um die Ecke, schlürfe einen großen Cappuccino und mampfe einen Schokoladenmuffin.
Der Kona ist fertig mit dem Laden, bevor mein Kaffee alle ist.

Die Ladung reicht jetzt mindestens bis Hamburg.

Tat es auch und auf Verdacht bin ich zum „Garten von Ehren“ gefahren. Die brandneuen HPC von Allego standen auch schon, waren angeschlossen und machten einen betriebsbereiten Eindruck (auch wenn die Stellplätze davor noch abgesperrt waren. Aber mit einem Nasenlader ist das kein Problem und ich wäre locker von der anderen Seite ran gekommen.
Aber die Ladesäulen ließen sich noch nicht freischalten. Schade!
Also fix an die alte SLAM-Ladesäule direkt daneben und mit 50 kW nuckeln. Meine EWE-Stromtankkarte hat mir hier die Tür geöffnet.
Aus unerklärlichen Gründen war auch hier der Stellplatz abgesperrt. Abermals konnte ich problemlos von der anderen Seite ran.
In der Spitze kamen auch hier 49 kW über das Kabel, ebenfalls bis 74 %.
Blöd hier: Das Gartencenter war bereits geschlossen und das Wetter wurde ekliger. An 50 kW zieht sich die Ladung im Kona ein wenig …

Aber irgendwann ist auch das geschafft. 203 km bis Aabenraa.
Mit dem Kona kein Thema, selbst bei dem Wetter. Der Wind kommt von Nord-Westen und es ist wirklich widerlich unangenehm.
Wieder rauf auf die A7, an Hamburg vorbei in den „echten Norden“ und über die Grenze nach Dänemark.

Mit 9 % Restladung im Akku, also noch ein großzügiger Puffer, begann dann auch dort die Ladung gleich mit 70 kW. Interessanterweise konnte ich hier zumindest eine Ladesäule mit meiner EinfachStromLaden Plus-Karte freischalten. Aus unerklärlichen Gründen verweigerte die ersten Säule die Kooperation. Egal, Hauptsache Strom.

Ui, schon 22:47 Uhr.

Nach Abschluss der Ladung war es schon halb Zwölf und langsam Zeit für ein Nachtlager.
Aber ich wollte nicht mit vollem Akku blöd in der Gegend rumstehen, sondern die Zeit sinnvoll nutzen.

Auf nach Aarhus!

Bei „OK Benzin“ soll es einen kostenlosen Typ 2-Lader geben. Genau das richtige für die Nacht!
Die 150 km sind schnell abgespult und tatsächlich, die Ladesäule existiert, ist kostenlos – und liefert magere 3,6 kW. 🙁
Ok, bis zum Morgen bin ich damit nicht voll. Aber es reicht für die Nacht, ich bin müde und habe keine Lust, weiter zu suchen.

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Ich lege die Rücksitzbank um, falte die Luftmatratze aus, lasse den Kompressor seinen Job machen – und stelle fest, dass ich meinen Schlafsack vergessen habe. Draußen sind die Temperaturen irgendwo im Schneeflöckchen-Bereich …
Naja, ich habe 2 Decken im Auto und stelle die Klimaanlage auf 25 Grad.

Ich schlafe bis irgendwas um 9 Uhr. Es war gemütlich, es war warm – und der Akku ist irgendwas um halbvoll.

Mein improvisierter Camper wird wieder in ein normales Auto verwandelt und ich ziehe mir so viel an, dass mir die Leute nicht die Polizei auf den Hals hetzen.

Um die Ecke steht ein Ikea in der Gegen rum. Das schreit nach Frühstück!
Im Untergeschoss der Tiefgarage gibt es 3 Typ 2-Lader. Einer ist besetzt. Der zweite ist kaputt und der dritte liefert 3,6 kW. Na das kommt mir bekannt vor.
Egal, Strom ist Strom und während ich oben in aller Seelenruhe mein Frühstück in mich reinstopfe und den ersten Kaffee des Tages dazu nutze, um in einer Zustand überzutreten, der nicht dem eines Massenmörders ähnelt, zählt Pummel unten Elektronen.

Irgendwann bin ich fertig und finde, trabe runter zu meinem Stromjunkie und fahre weiter Richtung Aalborg.

Clever-Ladesäule
Also mal das übliche Prozedere starten und mit aufsteigenden Kosten nach und nach alle Ladekarten durchprobieren. Als erstes die EWE-Flatrate.

Und die funktioniert!

Waaaaas?
Wieso breche ich mir hier einen mit 3,6 kW-Ladesäulen ab, wenn ich einfach an jeder Ecke eine der reichlich vorhanden Clever-Ladesäulen nutzen kann?

Einmal gesichtspalmieren ob der eigenen Blödheit und dann die neue Freiheit genießen, sprich: Auto aufladen.

Bis Hirtshals ist es jetzt nicht mehr weit.
Dort angekommen, finde ich zielsicher wieder ein paar 3,6 kW-Ladesäulen. Der Akku hat genügend Ladung, dass ich mir eigentlich keine Sorgen machen muss. Aber irgendwie habe ich mir angewöhnt, mein Auto immer und jederzeit anzustöpseln.

Es ist 18 Uhr und in Hirtshals möchte ich nicht tot begraben sein, also sehne ich die Fähre herbei und stelle mich in die Warteschlange.
Irgendwann gegen 19:30 Uhr bin ich endlich auf dem Schiff, schleppe meinen Krempel in meine Kabine, sorge auf dem Schiff für Unterhaltung, indem ich mit pinken Haaren und grüner Hose durch die Gegend latsche … und schlafe irgendwann in meiner Kabine gemütlich ein.

Ich wache auf, als wir uns Stavanger nähern und die Lautsprecher die Passagiere wecken.
Aber ich habe ja noch über 4 Stunden Zeit, drehe mich nochmal um und schlafe ein bisschen weiter.

Pünktlich um 12:30 Uhr liegen wir in Bergen und eine Traube Menschen und Autos verlässt die Fähre.

Ich bin in Norwegen, erkläre dem etwas irritiert wirkenden Grenzkontrolletti, was ich hier eigentlich zu tun gedenke und freue mich auf ein paar schöne Tage.

Nachtrag
Hier ein paar Zahlen für Interessierte:
gefahrene Strecke: 1277 km (bis zur Fähre)
Anzahl Ladestopps: 6 Schnelllader + Übernachtung/Frühstück/Zeitvertreib an Typ 2
Durchschnittsverbrauch: 21,1 kWh/100 km
Reisegeschwindigkeit: 130 km/h, wann möglich
Energiekosten: 1,75 € + Flatrate

Fortsetzung folgt …


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