ÖPNV ist keine Lösung

Veröffentlicht von umrath am

Ich bin als großer Kritiker von ÖPNV und öffentlichen Verkehrsmitteln allgemein bekannt.
Ab und zu wage ich es aber trotzdem (oder bin dazu gezwungen), auf diese Verkehrsmittel zuzugreifen.

Hier der Bericht von meinem gestrigen Tag:

10:10 Uhr
Ich gehe aus dem Haus und brauche einen Bus zur Zulassungsstelle im Süden der Stadt. Ein Ticket habe ich bereits, so dass ich mir die Zeit sparen kann, ein solches zu kaufen.
Ich laufe zur nächstgelegenen Haltestelle und versuche auf dem Fahrplan irgendwas passendes zu finden. Keine Chance, denn die Buspläne sind wild verteilt über den gesamten Platz. Selbst nach 5 Minuten bin ich nicht schlauer, da ich nicht weiß, wo die Haltestellen wirklich liegen. Ich muss ja zu einer Adresse und nicht zu irgendeiner Haltestelle.

Ich öffne die RVV-App (bereits vorher heruntergeladen). Ich verzeifle beim Versuch, der App sinnvolle Informationen zu entnehmen. Standardmäßig bietet sie mir Busse an, die von meinem Ort wegfahren. Was soll ich damit? Ich muss wissen, welcher Bus mich zu meinem Ziel führt!
Nach einigen Minuten finde ich im Menü endlich den richtigen Punkt und bekomme eine Ergebnisliste. Dass der erste Treffer einen längst abgefahrenen Bus zeigt, macht jetzt auch keinen großen Unterschied mehr. Ich suche jetzt nach dem richtigen Abfahrtspunkt, der irgendwo versteckt in einer Schriftgröße angebracht ist, die man erst aus 5 m Entfernung und wenn man im richtigen Winkel steht, erkennen kann.

Inzwischen ist es 10:24 und ich sitze endlich in einem Bus, der ungefähr in die richtige Richtung fährt.
Mit dem Auto wäre ich jetzt bereits am Ziel.

um 10:48 kommt der Bus pünktlich an der Haltestelle an. Ich springe raus und mache mich mit meinem dicken Rucksack auf den Weg die letzten 900 m zu Fuß zurück zu legen.
um 11:05, also nach 55 Minuten bin ich endlich am Ziel.

Ich hätte auch einen Bus nehmen können, der direkt bis vor die Tür fährt, aber das habe ich erst hinterher entdeckt – wäre aber durch die spätere Abfahrtzeit auch nur 5 Minuten früher angekommen.

Ich lasse mein neues Auto zu, hole mir einen neuen Anwohnerparkausweis und bin um 11:50 fertig. Cool, ging schneller als befürchtet!

Um 11:56 fährt der Bus zum Bahnhof.
Genug Zeit, um inzwischen eine Bahnverbindung zu suchen und ein Ticket zu buchen.
Der nächste Zug fährt erst um 12:44.
Ich kaufe ein Bayernticket und soll angeben, wer noch mitfährt. Ich fahre allein und will also ohne Eingabe „weiter“ klicken. Geht nicht. Ok, fährt halt Heinz Müller mit mir. Usability scheint für App-Entwickler ein unbekanntes Fremdwort zu sein.
Mir ist kalt.
Der Bus kommt etwas verspätet und fährt 15 Minuten zum Bahnhof.
Zwischenstopp an der Uni. Es wird eng und laut. Jetzt ist es auch warm. Sehr warm.
Ich springe eine Station früher raus, gehe vorher noch in die Arcaden und esse Mittag. Zeit habe ich ja mehr als genug.

Ich hätte noch langsamer essen können, denn der Zug hat ein paar Minuten Verspätung und ich warte entsprechend gut 10 Minuten auf dem eiskalten Bahnsteig.

Der Zug fährt ein und eine Meute Menschen stürzt auf die Eingänge. Dass man erstmal Leute aussteigen lässt, haben offenbar nicht alle Leute gelernt.

Ich finde eine Platz und habe sogar das Glück, zwei Plätze für mich nutzen zu können.
Im Gegensatz zum warmen Bus ist es im Zug eher kalt. Oder ich bin von der Warterei auf dem Bahnsteig zu durchgefroren. Ich lege meine Jacke über meine Beine. Die Frau neben mir setzt nicht einmal ihre Mütze ab.

Ich packe mein Laptop aus und will arbeiten. Bis alles hochgefahren ist und ich mein Handy als Hotspot eingerichtet habe (im Regionalzug gibt es selbstverständlich kein WLAN), sind wir längst aus Regensburg raus. Ich kann noch meine Emails abrufen, bevor die Netzwerkverbindung abbricht.
Ok, um 13 Uhr wollte eh ein Kollege anrufen und ein paar Dinge mit mir besprechen.

Das Telefon vibriert.
Ich habe mein Headset im Ohr, hebe ab und wir reden.

2 Minuten später bricht die Telefonverbindung zusammen.
Ich rufe kurze Zeit später zurück und wir reden weiter.
Der Fahrtkartenkontrolleur kommt vorbei, scanned den QR-Code meines Tickets und zieht weiter.
Na wenigstens etwas, was reibungslos klappt!
3 Minuten später ist die Telefonverbindung wieder weg.
Ich rufe kurze Zeit später zurück und wir reden weiter.
Ein paar Minuten später ist wieder Ruhe – und ich muss erstmal eine Weile warten, bis ich wieder Netz habe.
Ich rufe ein weiteres Mal an und wir beenden das Gespräch.

Die Netzwerkverbindung neu aufzubauen, ist hoffnungslos. Wann immer der VPN-Tunnel steht, ist die Netzwerkverbindung schon wieder so gut wie weg.

So viel zum Thema „Du kannst ja im Zug arbeiten, weil du dich nicht auf die Fahrt konzentrieren musst!“

Um 14:20 erreicht der Zug München, ich springe raus und laufe zum Parkplatz an dem ein Freund wartet, der mich nach Landsberg fahren will.
Wäre ich mit einem eigenen Auto gefahren, wäre ich inzwischen längst in Landsberg. Nein, falsch! Ich wäre bereits auf dem Weg zurück aus Landsberg.

Würde ich jetzt mit dem Zug weiter nach Landsberg fahren wollen, könnte ich jetzt eine halbe Stunde warten und dann um 14:51 mit einem weiteren Mal umsteigen nach Landsberg fahren. Ankunft: 15:40. Dann wäre ich aber erst am Bahnhof und noch nicht an meinem eigentlichen Ziel. (Mit dem Auto wäre ich zu dem Zeitpunkt schon fast wieder zu Hause.)
Mit dem i3 sind wir um 15:20 in Landsberg. Ich hole meinen neuen Kona Electric ab und bin mir sicher:

ÖPNV und Zug fahre ich nur, wenn ich wirklich keine andere Wahl habe.

Ach ja, die Busse waren selbstverständlich allesamt Verbrenner. Laut (sehr laut!) und dreckig.


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