Privilegien in unserer Gesellschaft

Veröffentlicht von umrath am

Gleich vorweg, damit ich der sicher kommenden Kritik schon im ersten Satz begegnen kann:

Dies ist keine wissenschaftliche Abhandlung!
(Wer das sucht, möge bei Google die Überschrift nehmen und dort auf die Suche gehen, am besten ergänzt um die Worte „Studie“, „Professor“ oder „Dr.“)

Hier geht es um eine persönliche, völlig unwissenschaftliche Sicht auf die Dinge. Es geht um meine Erfahrungen und es geht um meine Interpretation dieser. Es geht um mich. Das erste Privileg: Auf meinen Blog kann ich (im Großen und Ganzen) schreiben was ich will.

Gleich vorweg: Ich bin privilegiert.

Ich bin Deutscher, männlich, gesund, habe einen festen Job, eine helle Hautfarbe, volle Haare, … – viel höher hätte ich in der Lotterie namens „Leben“ kaum gewinnen können.

Ist so. Und ich habe fast nichts dafür getan.

Ich habe nichts dafür getan, als Kind deutscher Eltern geboren worden zu sein.
Ich habe nichts dafür getan, männlichen Geschlechts zu sein.
Ok, meinen Job habe ich mir ausgesucht. Aber auch das war nicht sonderlich schwierig – teilweise auch durch die anderen Dinge bedingt.
Und auch meine restliche körperlichen und geistigen Merkmale sind im wesentlichen nicht das Ergebnis meiner persönlichen Leistungen. Es ist halt so.

Bin ich stolz darauf? – Nein! Wie kann ich auf etwas stolz sein, an dem ich keinen Anteil habe?

Schäme ich mich dafür? – Nein! Warum sollte ich mich für etwas schämen, an dem ich keinen Anteil habe?

Und dann habe ich vor ein paar Tagen ein Video gesehen. Das hier:

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Das war interessant und Augen öffnend.

Paula spricht Punkte an, die mir bisher nicht bewusst waren.
Zumindest nicht so. In der Deutlichkeit.

Sie spricht vor allem von den Unterschieden innerhalb der Gesellschaft, von Unterschieden im Verhalten der Mitglieder einer Gesellschaft, abhängig davon, mit welchem Geschlecht man auftritt. Von mehr oder weniger subtilen Unterschieden.

Natürlich war mir bewusst, dass wir noch immer in einer Gesellschaft leben, die von typisch männlichen Idealen dominiert wird.
Natürlich war mir bewusst, dass Frauen (zumindest in bestimmten Bereichen) systembedingt benachteiligt werden.
Und natürlich war mir auch bewusst, dass Frauen im persönlichen Kontakt anders behandelt werden, als Männer.

Aber in der Deutlichkeit, wie es in diesem kurzen Talk auf den Punkt gebracht wird, war mir das so nicht bewusst.

Was heißt das jetzt für mich?

Ich werde mich selbst genauer beobachten, meine Reaktionen, mein Gedanken, mein Handeln.

Werde ich Männer und Frauen unterschiedlich behandeln? – Selbstverständlich!
Ich bin kein Roboter. Ich bin Teil dieser Gesellschaft und es wäre völlig unrealistisch zu behaupten, dass ich völlig neutral agieren werde, agieren kann.
Werde ich gendern? – Nein, denn das halte ich für reine Symbolpolitik, die vom eigentlichen Thema nur ablenkt.

Aber ich werde mir Mühe geben. Ich kann versuchen, hier selbst keine neuen Gräben aufzureißen.

Wird mir das gelingen? – Vermutlich nicht.

Ich werde immer wieder in die gleichen Fallen tappen, die so zahllos in der Gegend stehen, dass man kaum einen Schritt tun kann, ohne in eine zu tappen. Dieser Artikel hier ist schon ein solche. Es wird reichlich Leute geben, die das hier falsch verstehen und als heuchlerische Verkärung oder Entschuldigung einstufen.

Und sonst so?

Ich sehe reihenweise Situation, in denen ich mir denke: „Hey, deine geistige Entwicklung ist wohl auch noch in den 50er Jahren des letzten Jahrhunderts hängen geblieben!“

Unsere Gesellschaft wird noch lange brauchen, um hier einen Punkt zu erreichen, in dem man von tatsächlicher Gleichberechtigung sprechen kann. Leider.
Und ich fürchte auch, dass sich das nicht so wahnsinnig beschleunigen lässt.
Vielen Menschen fehlt einfach die Reflektion ihrer Handlungen und auch der Wille dazu. Beides lässt sich nicht erzwingen.

Klar, die Gesellschaft bzw. Mitglieder der Gesellschaft können hier Einfluss nehmen. Wir können unsere Kinder so gut es geht darauf vorbereiten, dass sie ein paar entscheidende Schritte weiter kommen als wir selbst.

Aber erzwingen lässt sich diese Entwicklung nicht. Zumindest nicht ohne Kollateralschäden, die den Nutzen negieren.


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