Ladesäulensituation in Regensburg

Veröffentlicht von umrath am

Vor ein paar Wochen habe ich mich über die allgemeine Situation der Ladesäulen in Deutschland und auch ein wenig über den Stand in Regensburg ausgelassen. Heute will ich ganz speziell auf Regenburg eingehen und zeigen, warum die Strategie von Stadt und REWAG großer Murks ist.

Ausgangslage

Wir haben in Regensburg und Umgebung derzeit einige Hundert Elektroautos und dazu noch deutlich mehr Plugin-Hybriden.
Außerdem befinden sich im Stadtgebiet und der Umgebung gut 40 Ladesäulen. Die meisten davon sind AC-Ladesäulen mit 22 kW und 2 Anschlüssen.

Problembeschreibung

Eigentlich klingt ja die Ausgangslage ganz gut. 40 Ladesäulen auf ein paar Hundert Elektroautos scheint angemessen zu sein.
Wäre es möglicherweise auch, wenn die Ladesäulen bedarfsgerechnet platziert wären und die Verfügbarkeit gegeben wäre.
Praktisch sieht es so aus, dass gerade in den Bereichen, in denen Ladesäulen benötigt werden, praktisch keine Verfügbar sind.
Die wenigen Ladesäulen, die strategsich günstig platziert sind (Arnulfsplatz, Emmeramsplatz) sind überlastet und/oder regelmäßig zugeparkt.
Es gibt in Regensburg exakt 0 Destination Charger, also Lademöglichkeiten an Parkplätzen. Sämtliche Ladesäulen sind nur für temporäres Laden ausgelegt. Über Nacht anstecken und stehen bleiben ist also nicht. Oder wird zumindest furchtbar teuer.
Das ist ein grundsätzliches Problem, denn es zeigt, dass die Verantwortlichen den entscheidenden Unterschied zwischen Elektromobilität und alter Verbrennermobilität nicht verstanden haben.
Das gleiche Bild zeigt sich bei der weiteren Planung und Verteilung der Ladesäulen.
Statt die Ladesäulen dort zu platzieren, wo sie tatsächlich benötigt werden, sollen nun Ladeparks geschaffen werden, in denen die Leute ihre Fahrzeuge abstellen sollen und dann mit dem ÖPNV diese Plätze ansteuern. Das klingt auf dem Papier nach einer guten Idee, ist aber in der Praxis kompletter Nonsens.
Warum?
Aktuell soll am unteren Wöhrd diese Ladeinfrastruktur entstehen.
Am unteren Wöhrd wohnt aber kaum jemand. D.h. die Plätze werden tatsächlich nur mit dem ÖPNV erreichbar sein.
Gleichzeitig liegt der untere Wöhrd aber mitten in dem Bereich, den man mit dem Auto besser meidet, weil man morgens und abends dort kaum weg kommt, ohne nicht im Stau zu stehen.
Konkret bedeutet das, dass ein Bewohner der Innenstadt (Osten, Westen, zentral) mit dem Bus (das kostet natürlich Geld) erstmal 10-20 Minuten mit dem Stinker-Bus durch die Innenstadt fahren darf, bis er dort am unteren Wöhrd ankommt. Dann setzt man sich in sein vollgeladenes auf warmes Auto (ich unterstelle mal einigermaßen akzeptable Tarife, die so etwas ermöglichen) und fährt 10-20 Minuten, bis man aus der Stadt raus kommt. Wer im Süden arbeitet (Conti, BMW, Osram, etc.) fährt dann erstmal genau die Strecke zurück, die er gerade mir dem Bus zum Auto gefahren ist. Man investiert also nicht nur die Kosten für den Bus und verschwendet morgens und abends zusätzlich jeweils 20-30 Minuten für nichts sondern sorgt auch dafür, dass die ohnehin schon angespannte Verkehrssituation in genau diesem Bereich noch angespannter wird.
Wer denkt sich so etwas aus? (Offenbar niemand, der diese Einrichtung später nutzen wird.)
Warum werden die Leute, die das hinter nutzen sollen, nicht gefragt?
In Amsterdam haben die Besitzer von Elektroautos die Möglichkeit, den Bedarf einer Ladesäule anzumelden und die Stadt kümmert sich dann nach Möglichkeit darum, dass dort eine Lademöglichkeit entsteht. Das Ergebnis: Amsterdam hat mit die höchste Elektroautodichte der Welt. Es funktioniert also.

Wie ginge es besser?

Baut die Ladeinfrastruktur dort auf, wo sie benötigt wird. Redet mit den Leuten!
Sorgt dafür, dass die existierende Ladeinfrastruktur auch verfügbar ist. Schildert vernünftig aus und schleppt Falschparker konsequent ab. Was nützt eine Ladesäule wenn sie zugeparkt ist?
In Stuttgart hat man das auch schon verstanden und tauscht die Beschilderung aus:

In Regensburg werden weiterhin Parkplatzschilder mit textuellem Hinweis aufgestellt. Abgeschleppt wird grundsätzlich nicht.
Dass es anders geht, zeigt Hamburg:
„Heute passiert in Hamburg, Jarrestraße, Polizei stellt Tickets für Ladesäulenblockierer aus und ruft anschließend die Abschlepper an- und das ohne Anzeige eines Dritten. 350,- € sind hier für das Abschleppen fällig. Vielen Dank an die Polizei, das ist der richtige Schritt“
In Regensburg erklärt die Polizei, dass das rechtlich nicht möglich wäre und Anweisungen der Stadt existieren würden, nicht abzuschleppen. Oft genug werden nicht einmal Parkzettel verteilt, selbst wenn man explizit nachfragt.
Das Ordnungsamt Regensburg wird auch nicht aktiv. Kontrollen finden selten oder nie statt. Abgeschleppt wird ebenfalls grundsätzlich nicht. Erreichbar ist das Ordnungsamt ohnehin nur sporadisch und nach 17 Uhr und am Wochenende selbstverständlich überhaupt nicht.

Weitere Schritte

Auf direkten Anfragen reagiert die Stadt leider gar nicht. Eine Anfrage an die beiden Bürgermeister (einer davon Mitglieder der Grünen!), die REWAG und den zuständigen Beauftragten der Stadt blieb ohne Antwort. Hier die Anfrage im Wortlaut:
„Sehr geehrte Frau Maltz-Schwarzfischer,
sehr geehrter Herr Huber,
 
die Ladesituation am Arnulfsplatz wird zunehmend kritisch.
Bisher konnte ich wenigstens in den meisten Fällen noch eine Lücke erwischen – inzwischen ist das nur noch mit viel Glück möglich.
Sowohl die zunehmende Anzahl an Elektroautos als auch gerade die zunehmende Anzahl an Hybriden sorgt auch dafür, dass die Infrastruktur entsprechend belastet wird. Und das wird sicher nicht besser werden.
Auch die Schnellladesäule in der Kirchmeierstraße ist kaum hilfreich. Meistens steht das Taxi davor und macht eine Ladung unmöglich oder nur mit zusätzlichem Aufwand möglich.
Die Ladesäulen am Emmeramsplatz sind kaum ebenfalls kaum nutzbar. Diese sind abends praktisch grundsätzlich zugeparkt. Weder das Ordnungsamt noch die Polizei tun hier irgendwas. Mit viel Glück haben die Fahrzeuge dort vielleicht mal ein 15 €-Ticket am Scheibenwischer. Meistens passiert gar nichts. Im Vergleich zu den Parkhausgebühren geradezu ein Witz! Abgeschleppt wird grundsätzlich nicht, so dass das Risiko für die Falschparker minimal und der Schaden für die Elektroautofahrer maximal ist.
Die städtischen Parkhäuser sind den Touristen vorbehalten.
Zumindest am Bismarckplatz (ich wohne am Arnulfsplatz, da hilft mir eine Parkmöglichkeit am Petersweg herzlich wenig) ist ein Stellplatz nicht zu bekommen. Die Antwort des Verantwortlichen ist wenig hilfreich: „Ziehen Sie doch um, wenn sie Pendler sind!“
Ja, so kann Gentrifizierung auch funktionieren.
In der Schönen Gelegenheit wurde nun schon zum zweiten Mal innerhalb des Jahres die Straße auf der kompletten Länge aufgerissen und monatelang gearbeitet. Das wäre die ideale Möglichkeit gewesen, nebenbei relativ günstig Ladeinfrastruktur zu schaffen. Wieder verpasst!
Man kann wirklich den Eindruck bekommen, dass in Regensburg die Elektromobilität nur als Alibi herhalten muss und eine wirkliche Unterstützung nicht stattfindet.
 
Ich fahre jetzt sein knapp einem Dreiviertel Jahr Elektroauto. Das Auto selbst ist super. Ich bin damit in Italien gewesen, in den Niederlanden und durch Skandinavien gefahren. Insgesamt schon über 30.000 km.
Aber es scheitert an der Infrastruktur hier vor Ort. Ein Jammer! Und dabei war Regensburg mal führend beim Ausbau der Ladeinfrastruktur in Deutschland.
Als Pendler bin ich darauf angewiesen, dass ich mein Auto über Nacht einigermaßen zuverlässig laden kann. Das kann mir Regensburg nicht (mehr) bieten.
Wenn ich irgendwo einen verlässlichen Stellplatz bekommen könnte, würde ich die Infrastruktur sogar selbst schaffen und eine Ladesäule aufstellen. Aber selbst das scheint unmöglich.
Vielleicht sollte ich mein Elektroauto einfach wieder verkaufen (ich werde gutes Geld dafür bekommen) und mir einen alten gebrauchten Stinker holen. Das wäre eine einfache Lösung für mich und ich bin meine Probleme von heute auf morgen los. Dann verpeste ich zwar jeden morgen den Schulweg der Kinder zur Grundschule. Aber offenbar ist das so gewollt …
Mit enttäuschten Grüßen,
Thoralf Will“

(Dies wurde als Email am 15.12.2017 an beide Bürgermeister, Herrn Daminger sowie den Verantwortlichen der REWAG versendet.)
Im Grunde bleibt mir eigentlich nur noch die Möglichkeit, über die Presse zu gehen und so möglichst viel Druck aufzubauen.


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